Dahinter verbirgt sich genau in östlicher Richtung der Vordere Tajakopf mit 2450 m Höhe, über dessen Westgrat der traumhaft schöne Klettersteig führt, einige Alpinisten rühmen ihn, die schönste Ferrata in den Nordalpen zu sein.
Um den langen Zustieg von Ehrwald zum malerisch gelegenen Seeebensee zu verkürzen bedienten wir uns der MTB's, die uns nach anstrengender Tour für den Abstieg natürlich erst recht eine Erleichterung verschafften.
Ein heißer Sommertag war angekündigt und so war ein früher Aufbruch angeraten. Die Schwierigkeiten des Klettersteigs sind mit D/E angegeben, also absolut nichts für Anfänger, auch nicht für Leute, deren Armkraft zu wünschen übrig lässt, denn die brauchst du definitiv in dieser Route. Wer aus der Kletterszene kommt und einen Blick für mögliche Tritte und Griffe hat, der wird sich leichter tun und obendrein diesen tollen Steig in festem Fels genießen können. Auch die Länge der Tour und die annähernd 600 Höhenmeter sollte man nicht unterschätzen.
Jedenfalls ist das landschaftliche Erlebnis einfach großartig! Immer wieder schweift der Blick hinunter auf den grün-blauen Seeebensee und die Ehrwalder Sonnenspitze gegenüber. Schon nach einem Drittel im Klettersteig leuchtet der Drachensee wie ein Smaragd in der Felsarena um die Coburger Hütte, ebenso beeindruckt die Felsmauer des Zugspitzmassivs, der Tiefblick nach Ehrwald und zu den Ammergauer Alpen unter stahlblauem Himmel. Welch ein Geschenk!
Der Abstieg, anfangs seilversichert, später auf steilem und schottrigem Weg hinunter zum Drachensee ist gefühlt das Gegenteil von der festen und tollen Kletterei an der ausgesetzten Kante. Allerdings macht das erfrischende Bad im See und das kühle Getränk auf der Coburger Hütte wieder einiges wett an Abstiegsverdruß.
Am Seeebensee erfreuten wir uns dann unserer Fahrräder für den weiteren Abstieg nach Ehrwald — sonst wär's nochmals mühsam geworden.
Hubert Weber