Zu Besuch in der Gruppe „Frühstück und Klettern“ war Petra Reitz, promovierte Pflanzenbau-Fachfrau, die Rainer Willibald von einer Skitour kennt. Er hatte sie zu einer Kräuterführung für unsere Gruppe eingeladen. Petra ist eine begeisterte Expertin für Pflanzen vieler Gattungen. Am heutigen Tag geht es um Wildkräuter, die wir landläufig als Unkräuter bezeichnen. Wir könnten sie aber auch höher einschätzen und in unser tägliches Leben einbringen. Geplant ist eine 2 stündige Wanderung entlang der Argen mit dem Beginn auf der Wiese vor dem DAV Vereinshaus.
Sofort fällt Petra ein blaues Polster mit kleinen Blümchen auf, die sie uns als Ehrenpreis kennzeichnet. Auch hat sie den lateinischen Namen parat: veronica persica, eine ungiftige weit verbreitete Blütenpflanze, die früher oft als Heilpflanze bei Entzündungen und heute wegen ihrer Bitterstoffe auch in Salaten Verwendung findet.
Petra weckt unsere Begeisterung für den üppig blühenden Löwenzahn. Man könne ihn wie die meisten Wildblumen essen trotz des weißen Saftes. Er sei ungiftig, gut verträglich und vitaminreich. Dies lassen sich einige von uns nicht zweimal sagen und probieren ein bis zwei Blüten. Die Knospen im Stadium vor ihrer Öffnung könne man sammeln, in schwachen Essig einlegen, bis zum Winter aufheben und als Zugabe für Speisen verwenden.
Direkt nebenan auf einem Kieshäufchen vermehrt sich ein kleiner Verwandter: der Huflattich. Dieser wächst gern als Pionierpflanze im Schotter und an Straßenrändern, in unserem Fall neben dem DAV-Haus. In Tees und Kräutermedikamenten werden seine Wirkstoffe gegen Husten und Erkältungen eingesetzt. Petra erklärt uns die Herkunft des Namens Huflattich. Das relativ breite Blatt ähnelt einem Hufeisen.
Nun kommen wir zu einem sehr zahlreich vorkommenden Bewohner des Areals: dem Gundermann. Er ist ein blau-violett blühendes 10-15 cm kleines stehendes oder kriechendes Pflänzchen. Der Lippenblütler wird gern von Insekten angeflogen. Petra beschreibt die biologischen und heilpflanzlichen Eigenschaften des Gundermanns. Wegen seiner Bitterstoffe und der Optik wird er gern fürs Dekorieren von Speisen verwendet.
Eine Pflanze der Kletterturm-Wiese ist nicht genießbar: der Hahnenfuß. Er blüht schön gelb - weist aber im Unterschied zu anderen Blüten einen fettigen Glanz auf. Hahnenfuß ist giftig, wenn er verzehrt wird. Aber auch durch intensive Berührung, besonders im Kontakt der Haut mit dem Pflanzensaft. Also: hier ausnahmsweise Vorsicht!
Die folgende Blume fehlt auf dem Klettergelände nicht: der Günsel. Auffällig sind die blau-violetten Blüten der etwa 10-20 cm hohen streng nach oben wachsenden Mini Staude, deren Blätter leicht violett schimmern. Petra vergleicht den pyramidenartig wachsenden Günsel mit menschlichen Eigenschaften wie Ordnung, Geradlinigkeit und Stabilität. Daher sei diese Blume für sie so imponierend und gedanklich auf Personen übertragbar.
Wer auf dem Gelände nicht fehlt ist die Brennnessel. Sie gehört zum klassischen „Triumvirat“ der Wildkräuter, dem Löwenzahn, dem Giersch und der Brennnessel. Fast alles sei aus der Brennnessel herstellbar: Gemüse, Tee, getrocknete Gewürze und Wirkstoffe. Aufmerksam verfolgen die Zuhörer, dass man getrocknete und zerkleinerte Blätter in Brot und Gebäck einfügen kann und damit müde Männer und ggf. auch Frauen in allen Lebensbereichen stimulieren könne.
Erstaunlich viele Kräuter wachsen in der Nähe des Turms. Darunter fällt der Spitzwegerich auf, von dem auch seine Verwandten, der Mittel- und Breitwegerich vertreten sind. Die Volksmedizin verwendet ihn gegen Schwellungen bei Allergien oder Insektenstichen zum Auftragen in leicht zerriebenem Zustand.
Die zwei Stunden sind fast schon vorbei. Aber wir werden noch aufgehalten vom gewöhnlichen Hirtentäschel, auf lateinisch bursa pastoris. Es wächst tatsächlich in einer kleinen Kolonie in der Nähe der schwereren Klettertouren. Heilpflanzlich werde es benutzt zur Blutstillung, z. B. bei Nasenbluten. Auch in der Küche verwendet man es in Salaten, Suppen oder Kräuterquark.
Am Ende der Wanderung um den Turm kommen wir noch zu einem kleinen Highlight, das nicht fehlen darf: dem Gänseblümchen, der „ausdauernden Schönheit“, (bellis perennis). Im Volksmund existieren hunderte unterschiedliche Namen. Wenn man das Blümchen umdreht, erkenne man „das Kind in sich“. Gänseblümchen lassen sich auch gut essen, die Blüte ist leicht bitter. Süßer sind die frischen Blättchen und die Knospen, die auch als Ersatz für Kapern verwendet werden können.
Am Ende der Wanderung haben wir es tatsächlich geschafft, ein einziges Mal komplett den Turm zu umrunden. Das nächste Mal gehen wir wirklich zur Argen. Es war heute sehr kurzweilig, und wir danken Petra (Dr. Petra Reitz), die uns Lust, Spaß und Freude an den direkt vor uns wachsenden Wildkräutern vermittelt hat.
Kurt Stübing