Wie in den letzten Jahren war Rainer Willibald der Leiter und Hannes Aschauer der geologische Experte. Gegen 9.00 Uhr wurde das Ziel der über die Autobahn und die Montafoner Landstrasse führenden Anfahrt mit dem Parkplatz an der Golmerbahn in Latschau erreicht.
Nachdem der Erwerb der Tickets für die Bergfahrt auf den Golm erfolgreich abgeschlossen und man sich gegenseitig begrüßt und vorgestellt hatte ging es zunächst von 1000 m über dem Meer mit der Kabinenbahn zum Berghof Golm auf rund 1700 m Höhe. Mit dieser ungewöhnlichen Art des Exkursionsbeginns vermieden wir die Hitze im Tal und überbrückten die Bergwiesen und Wälder des Golm, welche dort die Geologie sehr nachhaltig verdecken und begannen gegen 9.45 Uhr mit der Exkursion.
Der Aufstieg führte über das Golmer Joch, wo wir die Überlagerung des Buntsandsteins auf den Silvrettagneis studieren konnten zum Kreuzjoch. Die gesamte Strecke bis zum Kreuzjoch wanderten wir auf Silvrettagneis. Der Blick nach Bartholomäberg und Zimba im Norden zeigte uns die vor zwei Jahren am Wannenkopf erwanderten Schichten Kalkalpen vom Buntsandstein (untere Triaszeit) zuunterst bis zum Kieselkalk (Kreidezeit) zuoberst im Gipfel der Zimba.
Nach kurzer Trinkpause am Kreuzjochgipfel kam der steile Abstieg zum Hätaberger Joch und damit die Überraschung, dass unter dem Gneis als Urgestein auf einmal wieder mit der Rauhwacke ein deutlich jüngeres Gestein aus der unteren Triaszeit vorkommt. Wir sind also über eine tektonische Grenze zwischen zwei Decken der Alpenfaltung gestiegen!
Verblüfft über dieses Phänomen ließen wir uns zur Brotzeit nieder und Hannes machte mit wenigen Strichen eine geologische Profilskizze von der Südwand der Drusenfluh über das Kreuzjoch bis hinunter in Rellstal am Fuß der Zimba. Er erklärte uns, dass wir nun in der Arosa Schuppe über die Geißspitze bis zur Lindauer Hütte wandern werden. Diese Schuppe liegt unter dem Gneis der Sivrettadecke als „Reibungsteppich“ aus verschiedensten Gesteinen der kalkalpinen Schichten. Uns erwartete also ein chaotisches Gemenge verschiedenster Gesteine vom Gneis über Korallenkalk und Dolomit bis hin zu violettem Manganmergel aus den Allgäuschichten. Der Weg war sehr abwechslungsreich, sowohl von den alpinen Anforderungen auf dem schmalen Grat zur Geißspitze, als auch von der üppigen Bergblumenflora und natürlich auch der bunten Gesteinsmischung. Nach kurzer, von zahlreichen Schwalbenschwanz-Faltern umflatterten Gipfelrast auf der Geißspitze kam der Abstieg zur Lindauer Hütte in sonniger aber stets von kühlendem Wind befächelter Südhanglage.
Beeindruckt von den Kalkmassiven der Rhätikonkette zwischen Sulzfluh, Drei Türmen und Drusenfluh ließen wir uns gegen 14.15 Uhr auf der Hüttenterrasse zur Einkehr nieder. Gegen 15.30 Uhr rief Rainer zum Aufbruch, der sechs Teilnehmer auf direktem Weg in Tal führte.
Der Rest der Exkursion entschloss sich mit Hannes dem „Reibungsteppich“ der Arosa-Schuppe über den Bilkengrat und das Grüneck unterhalb des Schwarzhorns weiter zu erkunden. Selbst in der Hitze des Nachmittags wehte dort ein kühlender Nordwind und so konnte mit den grün glänzenden Basaltgesteinsserien am Grüneck ein letzter Höhepunkt der Exkursion erreicht werden. Und der allerletzte Höhepunkt war dann gegeben, als Hannes einen Stein mit einer wenige Millimeter offenen Kluft aus Quarz fand. Und hier waren tatsächlich winzig kleine Bergkristalle zu sehen! Aber der allerallerletzte Höhepunkt war dann der Kühlschrank an der Alpe Alpila, wo wir bei kühlenden Hopfen- und Fruchtgetränken den Sundowner (Sonnenuntergangsumtrunk) genießen konnte.
Was denn folgte, war ein die letzten Kräfte fordernder Abstieg nach Latschau, wo wir gegen 20.30 Uhr den Parkplatz erreichten und nach ruhiger Fahrt gegen 22.00 Uhr am Kletterturm die müden, aber glücklichen Geologie-Wanderer ausladen konnten.
Rainer Willibald