Hochtour zum Bishorn | © Klaus Geier

Dünne Luft am Bishorn

04.07.2026

Endlich mal wieder einen 4000er besteigen. Das war das Ziel. Für manchen Teilnehmer war es auch der erste 4000er. Das Ziel war schnell gefunden. Ein „leichter“ 4000er sollte es sein und so fiel die Wahl auf das Bishorn im Wallis mit 4149 m Gipfelhöhe.

Die Tour sollte aber nicht zur Tortur werden und so wurde neben dem Bishorn zunächst die Cabane d’Arpetittaz auf 2786 m besucht. Die Hütte ist im Besitz der SAC Sektion La Dôle und wird im Sommer und auch im Winter von freiwilligen der Sektion liebevoll betreut. Mit 32 Schlafplätzen ist die Größe der Hütte überschaubar. In der Umgebung der Hütte befinden sich bekannte Berge wie das Weisshorn, das Zinalrothorn oder das Obergabelhorn, allesamt 4000er. Da wegen der frühen Anreise am Vortag die Nacht recht kurz war konnten wir den fehlenden Schlaf auf der Arpetittaz nachholen und nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf zum nächsten Ziel, der Cabane de Tracuit auf 3255 m.

Die alte Tracuit Hütte wurde 2013 durch einen recht futuristischen Neubau für 120 Gäste ersetzt, der aber trotzdem, gerade im Speiseraum mit riesigem Panoramafenster, eine ganz besondere Atmosphäre aufkommen lässt. Die Hütte wird gerne von Trailrunnern besucht und die Übernachtungsgäste besteigen zu über 90% am nächsten Morgen das Bishorn. Der Rest widmet sich der Überschreitung zum Weisshorn mit 4505 m und anschließendem Abstieg  in Richtung Mattertal. Da wir bereits um 11:00 Uhr an der Hütte angekommen waren und es zu spät für einen weiteren Gipfel war, verbrachten wir den Nachmittag als Seilschaft auf dem Gletscher, um unser Wissen über Spaltenbergung aufzufrischen. Wir fanden auch mehrere Spalten auf dem anfangs noch flachen Gletscher, was sicherlich an der Randzone lag, auf der wir uns aufhielten. Insofern konnte man sich da schon ein Bild davon machen, was einem am nächsten Tag begegnen würde.

Der Gipfel-Tag begann bereits um 3:30 Uhr mit Wecken und Frühstück. Obwohl die Hütte komplett gebucht war, kam keine große Hektik auf und so machten wir uns schließlich um kurz vor 5 im Schein der Stirnlampen auf den Weg zum Gletscher, wo sich die Seilschaften formierten. Als 6er Seilschaft waren wir erstaunlich schnell unterwegs, anfangs mit großen Schritten, später mit Gänsefüßchen den Gipfelhang hinauf, so daß wir um 7:40 Uhr den Gipfel erreichten. Die Höhe machte sich deutlich bemerkbar, weil der Luftdruck in dieser Höhe nur etwa 600 mbar gegenüber 1013 mbar auf Meereshöhe (oder 955 mbar in Wangen) beträgt. Wegen des starken Windes und der Kälte wurde nur kurz am Gipfel verweilt, sich gegenseitig gratuliert und die obligatorischen Photos gemacht. Gegen etwa 9 Uhr erreichten wir wieder das Ende des Gletschers, gerade rechtzeitig, bevor der Gletscher wieder auffirnte und man teils mehr als knietief darin versank. Nach einer weiteren Pause auf der Hütte wurden die letzten 1600 Hm Abstieg nach Zinal in Angriff genommen, wobei jeder danach froh war im Tal am Sektionsbus anzukommen.

Die nächste Station war das unter Bergsteigern bekannte Hotel Bergfreund in Herbriggen im Mattertal, was mit der Kombination Lager und Hotelbetrieb durchaus als angenehm empfunden wurde. Nach einer entspannten Nacht im 6er Lager wurde die Rückfahrt nach Wangen angetreten.

Marcus Gutfrucht