Hochtouren rund um das Windachtal, Stubaier Alpen

Tag 1: Sölden – Berggasthaus Fiegl – Scheiblehnkogel – Siegerlandhütte

Dieser Bergsommer meinte es bisher wirklich nicht besonders gut uns  Bergbegeisterten. Und genauso sieht es auch heute aus. Am Treffpunkt regnet es so stark, dass wir nicht einmal aussteigen können! Das kann ja heiter werden denken insgeheim alle sechs Teilnehmer.

Aber Tourenführer Rainer Willibald ist guter Dinge und sagt uns bestes Wetter voraus, zumindest die nächsten zwei Tage. Als wir dann an unserem Startpunkt in Sölden ankommen regnet es nur noch ganz leicht. Wir steigen um in den Ötztaler Wanderbus und fahren für 8,20 Euro in zwanzig Minuten zum Gasthaus Fiegl. Von hier geht es nun zu Fuß weiter. Aber zuerst trinken wir ganz gemütlich einen Kaffee. Und wer hätte es gedacht, es hat nun tatsächlich aufgehört zu regnen. Hochmotiviert setzen wir uns jetzt endlich in Bewegung. Es geht längere Zeit, nur mit leichtem Höhengewinn, immer weiter ins Windachtal hinein. Dann, vorbei an der Materialbahn der Hildesheimer Hütte, wird es langsam steiler, das Tal enger und in der Ferne können wir schon die Siegerlandhütte erkennen. Wir entscheiden uns aber noch nicht gleich auf die Hütte zu gehen, sondern zuerst den Hausberg, den Scheiblehnkogel (3.060m), als ersten Dreitausender dieser Tour zu besteigen. Über eine schöne, unschwierige Blockkletterei erreichen wir über den Südostgrat den obersten Punkt. Wir beeilen uns wieder abzusteigen, da schon wieder erste Regentropfen vom Himmel fallen. Wir haben aber Glück und kommen trockenen Fußes in der Hütte an. Hier ist nicht viel los und wir erleben einen gemütlichen ersten Hüttenabend, gehen aber trotzdem zeitig ins Bett.

Tag 2: Siegerlandhütte – Hofmanspitze – Wilder Freiger – Becherhaus

Gott sei Dank sind wir in den Ostalpen unterwegs und müssen somit nicht so früh aufstehen. Es ist keine einzige Wolke mehr am Himmel zu sehen und die Sonne beleuchtet schon die Bergspitzen als wir vor die Hütte treten. Heute wird ein Traumtag, da sind wir uns sicher! In der Windachscharte bekommen auch wir die ersten wärmenden Sonnenstrahlen zu spüren. Von der Scharte, welche die Grenze zwischen Österreich und Italien kennzeichnet, steigen wir ab zum Schwarzsee den wir schon von oben aus bewundert hatten. Er soll mit 27m Tiefe der tiefste Bergsee in Südtirol sein. Wir gehen an seiner linken Uferseite entlang und steuern auf die nun vor uns liegende Schwarzwandscharte zu. Die letzten Meter hinauf müssen in einem recht steilen Altschneefeld zurückgelegt werden. Als wir dort ankommen sind wir überwältigt von dem Ausblick der sich uns hier eröffnet. Wir sehen den noch komplett schneebedeckten Übertalferner, sowie hinüber zu unseren weiteren Gipfelzielen Wilder Freiger, Wilder Pfaff und Zuckerhütl, sowie unsere heutige Unterkunft, das auf dem Bechergipfel thronende Becherhaus. Sie ist mit 3.195m Höhe die höchstgelegenste Hütte in Südtirol. Aber jetzt statten wir zuerst einmal der direkt von der Scharte aus erreichbaren Hofmannspitze (3.113m) einen Besuch ab. Nach einer ausgiebigen Rast begeben wir uns, nun als Seilschaft, auf den Übeltalferner. Durch die gute Schneedecke können wir ohne Steigeisen gehen, was uns sehr schnell voran kommen lässt. Wir gehen vorbei an der Müllerhütte und steigen dann bald in recht steilem Blockgelände zum Becherhaus auf. Hier gratuliert uns der sehr nette Hüttenwirt zum Erreichen der Hütte und auf der gemütlichen Terrasse können wir ein Radler, die Sonne und den Ausblick genießen. Nach der kurzen Erholungspause brechen wir wieder auf, wir wollen vor dem Abendessen noch schnell auf den Gipfel des Wilden Freigers (3.418m). Ohne Rucksack sind wir flott unterwegs und erreichen über den gut versicherten Grat, den Signalgipfel und den Verbindungsgrat schon nach 50min. das Gipfelkreuz. Wenig später sind wir wieder zurück auf dem Becherhaus, füllen unsere Energiereserven wieder vollständig auf und genießen den allseits bekannten Sonnenuntergang.

Tag 3: Becherhaus – Wilder Pfaff – Zuckerhütl – Hildesheimer Hütte

Was für ein traumhafter Sonnenaufgang! Ein sensationelles Morgenrot taucht in der Ferne die Zacken und Spitzen der Dolomiten in ein grandioses Licht. Heute brechen wir etwas früher auf, das Wetter soll nachmittags wieder umschlagen und wir haben ja noch einiges vor uns. Zielstrebig steuern wir auf den Ostgrat des Wilden Pfaffs (3.458m) zu. Wir steigen einen Firnrücken kurz nach der Müllerhütte empor und sind dann am Einstieg des Grates angelangt. In der Zwischenzeit sind wir ein ganz gut eingespieltes Team und folgen den guten und reichlichen Markierungen immer dem Gratverlauf folgend. Es ist eine schöne und anregende Kletterei im ersten und zweiten Grad, teilweise mit atemberaubenden Tiefblicken. Kurz unter dem Ausstieg ist noch eine relativ glatte Platte zu überwinden, die allerdings durch ein Drahtseil gut abgesichert ist. Dann stehen wir auf dem Gipfel des Wilden Pfaffs. Die ersten Wolken bilden sich, wie vorhergesagt, schon wieder und aus Westen sieht man eine schwarze Schlechtwetterfront heran rauschen. Wir beeilen uns in den Pfaffensattel abzusteigen, wobei hier nochmals äußerste Vorsicht geboten ist wegen akuter Steinschlaggefahr. Von hier steigen wir das markante Firnfeld unterhalb des Gipfelaufbaus des Zuckerhütl (3.507m) hinauf. Vom „Zucker“ des Hütls wurde in den letzten Jahren leider viel zu viel verbraucht und somit muss man nun deutlich weiter unterhalb des höchsten Punktes als früher in den Fels treten. Hier bekommen wir leider die Beliebtheit dieses Gipfels zu spüren. Nicht weniger als 40 bis 50 Bergsteiger bewegen sich oberhalb von uns in dem erschreckend bröseligen Gestein. Durch den Andrang gestaltet sich die Kletterei zu allem anderen als zur Genußkletterei. Aber irgendwann sind auch wir oben und können uns zum Gipfelerfolg beglückwünschen. Noch schnell ein paar Photos, eine ganz kurze Pause, denn das Wetter macht jetzt richtig zu, und dann geht es wieder hochkonzentriert an den Abstieg. Wir sind froh wieder heil im Sattel zu sein und machen uns nun mit beschleunigtem Schritt auf Richtung Hildesheimer Hütte. Der Weg ist weiter als gedacht, aber wir erreichen gerade die Hütte als es anfängt zu regnen. Das war ein hervorragendes Timing! Auf der Hütte lassen wir es uns gutgehen und genießen allerlei kulinarischen Leckerbissen. Das Wetter ist nun richtig schlecht und wir entscheiden uns die Tour hier zu beenden, einen Tag früher als geplant. Wir sagen die Hütte für den nächsten Tag ab und der Hüttenwirt erzählt uns, dass wir unwahrscheinliches Glück gehabt hätten, da wir die ersten zwei zusammenhängenden Schönwettertage des ganzen Sommers erwischt hätten! Somit lassen wir den Abend noch gebührend ausklingen.

Tag 4: Hildesheimer Hütte – Berggasthaus Fiegl – Sölden

Spätestes Frühstück der ganzen Tour, wir haben absolut keine Eile. Als wir alles zusammengepackt haben und uns vor der Hütte versammeln haben wir wieder Glück, denn es hat aufgehört zu regnen. Wir steigen im dichtesten Nebel ab. Als wir mit dem Ötztaler Wanderbus wieder in Sölden ankommen regnet es wieder in Strömen. Es ist alles wieder so wie es angefangen hat – Regen.

Wir alle sind aber mehr als zufrieden. In zweieinhalb Tagen fünf Dreitausender und dabei teilweise noch strahlender Sonnenschein – was will man mehr! Wir hoffen auf einen goldenen Herbst.