Wanderwoche im Saastal/Wallis

 

vom 16.7.-22.7.2011

Mit 15 Personen in 4 Fahrzeugen ging es am Samstag kurz nach 6 Uhr von Wangen über den Oberalp-Pass und den Furka-Pass  nach Saas-Almagell . Am frühen Nachmittag,  eine Stunde nach unserer Ankunft, brachen wir zu unserer ersten Tour auf. Noch schien die Sonne, doch die Wetterprognose für die nächsten Tage war schlecht.  Von Saas-Grund (1560 m) waren wir mit der Gondelbahn schnell am Kreuzboden in 2400 m Höhe. Von dort aus wanderten wir auf der Alpenblumenpromenade, einem schmalen Höhenweg, um das Trifthorn (3395 m) herum zur Almagelleralp (2194 m). Nach kurzer Kaffeepause ging’s hinunter nach Saas-Almagell zum Hotel Kristall, wo wir unsere Zimmer beziehen und uns bei einem 4-Gänge-Menü (mit Nachschlag) stärken konnten. 

Am Sonntagmorgen steckten die Berge rings um das Tal wie vorhergesagt in grauen Wolken. Nach dem Frühstück ging’s mit dem Bus nach Saas-Fee,  mit der Gondelbahn zur Bergstation Hannig in 2350 m Höhe, dann zu Fuß weiter auf einem steilen Pfad zum Mällig (2700 m) und hinauf auf den felsigen Gipfel. Als wir die Bergstation wieder erreichten, war wegen des Sturms der Gondelbetrieb eingestellt, und wir stiegen auf gewundenen Pfaden und Waldwegen nach Saas-Fee hinunter. Inzwischen war es früher Nachmittag. Quer durch den Ort marschierten wir zur Talstation der Felskinnbahn auf die gegenüberliegenden Seite des Tals, und der Alpin Express brachte uns in einer knappen Viertelstunde auf 3000 m Höhe.  Weiter ging’s mit der Metro Alpin zur Bergstation Mittelallalin (3500 m), von wo aus ein ca. 70 m langer Zugangstollen in den Bauch des Feegletschers führt.  In einem riesigen Eispavillon etwa zehn Meter unter der Gletscheroberfläche ist dort ein originelles Museum eingerichtet. Nach dem Aufenthalt in der 1 Grad kalten Grotte wärmten wir uns im „höchsten Drehrestaurant der Welt“ bei Kaffee und Walliser Aprikosenkuchen auf. Statt der 13 Viertausender, die man von dort aus vorbeiziehen sehen kann, sahen wir nur eine weiße  Nebelwand - was unsere Stimmung aber nicht trübte.  Rainer machte es möglich, dass wir nach dem abendlichen Sonntagsbraten (Walliser Lamm) auf der großen Leinwand im Seminarraum verfolgen konnten, wie die Japanerinnen das Endspiel der Fußball-WM gewannen.   

Am Montag ging die Sonne zwar eindeutig auf, versteckte sich aber wieder hinter grauem Gewölk. Unverdrossen brachen wir um halb neun zur geplanten Gletscherwanderung auf. Das Hochgebirge zeigte sich uns von seiner rauen Seite. Kalte Nebelschwaden umwaberten uns und Schneegriesel  prasselte auf die Anoraks, als wir vom Felskinn (3000 m) auf einem schmalen, vereisten Pfad durch eine karge, faszinierende Landschaft über den Chessjengletscher zur Britanniahütte (3030 m) stapften. Nach kurzer Einkehr kraxelten wir auf den Gipfel des Klein-Allalin. Die Aussicht war bescheiden: Immerhin sahen wir ein paar Sekunden lang das Blau des Mattmark-Stausees aufblitzen, die umliegenden Viertausender blieben unsichtbar.  Flott ging’s  „abfahrend“ über den Gletscher hinunter und auf gut markierten Wegen am blumenreichen südöstlichen Hang des Mittaghorns entlang zur Bergstation der Plattjenbahn.  Der Himmel klarte auf, in Saas-Fee konnten wir im Freien Kaffee trinken und bei einem Bummel durch den Ort Sonne tanken.  Nach dem abendlichen 4-Gänge-Menü  hielt die Seniorchefin des Hotels im Seminarraum einen humorvollen Diavortrag über die an Entbehrungen reiche Geschichte des Saastals mit schwere Lasten schleppenden Frauen und große Verantwortung tragenden Männern...

Am Dienstag ging es wieder mit dem 8.34er Bus nach Saas-Fee und von dort mit der Gondel zum Spielboden, von dem aus man eine wunderbare Aussicht auf die umliegende Berg- und Gletscherwelt genießen kann. An der Moräne und am Gletschersee des nördlichen Feegletschers vorbei wanderten wir durch Blumenmeere in Richtung „Gletschergrotte“ und auf dem Gletscher-Lehrpfad bis zur Seilbahnstation Hannig. Unten im Ort goss es in Strömen und wir flüchteten ins nächste Café. Abends fand die Vorbesprechung der für Donnerstag geplanten Tour aufs Allalinhorn statt, mit Anprobe der Klettergurte und Steigeisen.

Am Mittwoch sollte sich das Wetter gegen Mittag bessern, deshalb frühstückten wir eine halbe Stunde später als sonst, marschierten dann taleinwärts zur Station der Sesselbahn und schaukelten mit dieser nach Heidbodme (2400 m) hinauf. Dort blies der Wind so stark, dass Rainer sich bequem schräg gegen ihn lehnen konnte, ohne umzufallen.  Ein hochalpiner Höhenwanderweg führt von dort oben zum Antronapass, doch an eine solche Tour war wegen des über Nacht gefallenen Neuschnees nicht zu denken. Wir begnügten uns mit einem einstündigen Aufstieg zum „Aussichtspunkt“, von dem aus sich uns das Monte-Rosa-Massiv (Dufour-Spitze) und das Strahlhorn präsentierten. Nach einem Kaffee in der Bergstation ging‘s über Furggstalden und den alpinen „Erlebnisweg“ mit Hängebrücken und gut gesicherten Felspassagen zurück nach Saas-Almagell.

Am Donnerstag sollte die Hochtour aufs Allalinhorn (4027 m) „steigen“ -  für die meisten von uns der erste Viertausender.  Zum Glück war der Himmel am Morgen blau, und so ging es wie geplant mit dem Alpin-Express in Saas-Fee hoch zum Mittelallalin (3500 m). Doch schon beim Anlegen der Steigeisen zogen dichte Wolken auf, und so stiegen wir in zwei Seilschaften im immer dichter werdenden Nebel an der Westseite des Allalinhorns über gewaltige Gletscher mit zugeschneiten Spalten zum Feejoch hinauf. Als es noch einmal kurz aufklarte, zeigte sich sekundenlang von Nebelbändern durchschnitten das Matterhorn. In steilen Kehren ging es über den Westrücken des Bergs hinauf bis knapp unterhalb des felsigen Gipfelaufbaus.  Nachdem der Durst gelöscht, die Energieriegel eingeworfen und  ein paar Fotos geschossen waren, ging es nach dem zweistündigen Aufstieg im Schneetreiben wieder runter. Im Drehrestaurant mit Nebelpanorama warteten schon die Mitglieder unserer Gruppe, die in der Zwischenzeit den Kapellenweg und anderes erkundet hatten. Von der Talstation in Saas-Fee konnten wir dann sogar trockenen Fußes über den schönen Waldweg nach Saas-Almagell zurück wandern.

Am Freitag fuhren wir nach dem Einladen des Gepäcks mit den Autos zum Staudamm Mattmark, dem höchsten Naturdamm Europas, hinauf und machten zum Abschluss noch eine zweistündige Rundwanderung um den See.  Nach einem Mittagsimbiss im dortigen Restaurant ging es wieder in Richtung Allgäu.

Dank Rainers flexibler Planung und ständiger Recherche, welche Touren bei den gegebenen Bedingungen überhaupt machbar waren,  haben wir trotz der schwierigen Witterungsverhältnisse eine erlebnisreiche und heitere Tourenwoche genießen können und jeden Tag einen völlig neuen Teil der grandiosen Berglandschaft rund um das Saastal kennengelernt.