Sektions-Stammtisch am 24. Oktober ab 19:00 Uhr im Gasthaus Lamm in Wangen +++

Hochtour zum Bishorn, 4.153m, Wallis

Wir treffen uns schon um 05:00 Uhr zur Abfahrt, da die Reise mit dem DAV Bus ins Wallis um die sechs Stunden dauern wird. Wir kommen pünktlich weg und erreichen gegen halb zwölf unseren Ausgangspunkt im Bergdorf Zinal. Die Bergkulisse im Wallis ist schon immer wieder beeindruckend und überwältigend.

Ab hier sind fünf Stunden Gehzeit und nicht weniger als 1.600 Höhenmeter zu unserem heutigen Ziel, die Tracuit Hütte, angegeben. Das sind richtige Westalpen Dimensionen – mal eben fünf Stunden nur zur Hütte! Wir machen uns abmarschbereit und laufen gegen zwölf Uhr los. Wichtig ist, einen langsamen Schritt zu wählen, um nicht völlig verausgabt an der Hütte anzukommen. Es kommt schließlich auch noch die Höhe hinzu. Die Hütte liegt nämlich schon auf satten 3.256m. Deshalb legen wir auch jede Stunde eine Verschnaufpause ein, was allen guttut.

Aber bald haben sich unsere Füße an unseren gemächlichen Gehrhythmus gewöhnt und unser Kopf kann den Alltagsstress endlich absteifen. So kommen wir gut voran und erreichen noch einigermaßen fit und in der angegebenen Zeit, die schon seit längerem sichtbare, sehr moderne Hütte.

Wir haben Glück und ergattern ein großes Zimmer nur für uns allein. Jetzt heißt es erst mal die verschwitzten Sachen trocknen und dann den Wasserhaushalt wieder ausgleichen.

Direkt vor der Hütte stehen noch die abgerissenen Überreste der alten Hütte. Drumherum sind windgeschützt einige Panorama-Sitzplätze mit Decken angeordnet. Von hier sieht man wunderbar einen Teil des morgigen Aufstiegwegs. Auch sonst reicht der Blick über das Bishorn, den Nordgrat des Weisshorns, weiter zu der außergewöhnlichen Spitze des Zinalrothorns, des Obergabelhorns, sowie Dent Blanche und Grand Cornier. Man kann sich nicht sattsehen.

Außerdem stehen, man kann es gar nicht glauben, zwei Mountain Bikes vor der Hütte! Anscheinend wollen die zwei morgen mit ihren Bikes ebenfalls auf den Gipfel und dann damit abfahren.

Nach einer mit Käse überbackenen Polenta, welche uns den Magen mehr als nur füllt, haben wir die richtige Schwere für unser Matratzenlager.

Um fünf Uhr ist Wecken und Frühstück angesagt. Kurz vor sechs stehen wir alle abmarschbereit und natürlich hochmotiviert vor der Hütte. Wir bilden zwei Seilschaften, Hubert mit drei Leuten und Bolle mit drei Leuten. Bereits vor uns gestartete, andere Mitstreiter, kann man schon in der Ferne erblicken. Die Temperaturen sind heute nicht wirklich kalt und der Tag verspricht Sonne satt. Wir haben keine Eile und genießen beim Aufstieg den blauen Himmel und die gute Aussicht. Gut die Hälfte haben wir bereits geschafft, als wir tatsächlich in der Ferne zwei Mountain Biker erkennen. Allerdings werden die Bikes mehr geschoben als gefahren, da die Schneedecke nicht trägt. Tut mir echt leid, aber wie kommt man auf so eine Idee? Nur um sagen zu können ich war auf einem Viertausender mit dem Mountain Bike, hat super Spaß gemacht, musste das Bike die ganze Zeit schieben oder tragen. Allgemeine Verwunderung und Kopfschütteln auch bei anderen Bergsteigern.

Als wir auf dem Sattel zwischen den beiden Bishorn Gipfeln gelangen, öffnet sich das Panorama und wir sehen zum ersten Mal den gesamten, gewaltig beeindruckenden Nordgrat des Weisshorns. Gegenüber liegt, leicht in Wolken, die Mischabelgruppe, sowie etwas weiter entfernt, die Monte Rosa. Perfekte Planung, die anderen Gruppen kommen gerade vom Gipfel herunter, was bedeutet, dass wir den Gipfel ganz für uns alleine haben. Ziemlich zugig ist es hier oben, weshalb wir entscheiden, die Pause auf der windstillen Einsattelung unterhalb des Gipfels zu machen. Nach ausgiebiger Rast entscheiden wir uns vor dem Abstieg noch den nur wenig niedrigeren Bishorn Ostgipfel mitzunehmen.

Es wird immer wärmer und wir kommen selbst beim Abstieg nun ins Schwitzen. Wir brechen weiter unten immer mehr im Schnee ein. Das ist ganz schön anstrengend und zehrt an den Kräften. Angelangt an der Abzweigung zum Hüttengipfel, den Tete de Milon, 3.693m, besprechen wir, ob wir diesen Gipfel auch noch dranhängen sollen. Nach kurzer Beratung entschließen wir uns aufzuteilen. Eine Gruppe geht zurück zur Hütte und darf dort schon die Köstlichkeiten der Hütte genießen, die anderen nehmen die 350Hm zum letzten Gipfel des heutigen Tages auch noch in Angriff. Es geht flott voran und bald stehen wir ganz oben. Leider ziehen jetzt immer mehr Wolken auf und wir haben keine gute Sicht. Deshalb machen wir uns rasch wieder an den Abstieg, da der Schnee nun immer tiefer wird und wir noch ein paar Spalten überwinden müssen. Gute eineinhalb Stunden später sind auch wir zurück an der Hütte und gönnen uns das ein oder andere Bier, zum Auffüllen unseres nun doch stark dezimierten Mineralstoffhaushaltes. Heute Abend gibt es leckere Spaghetti Bolognese in Hülle und Fülle, sodass wirklich jeder satt wird. Nicht, dass wir noch vom Fleisch fallen bei unserer Hochtour.

Der nächste Morgen zeigte sich zunächst etwas verregnet. Da wir keine große Eile haben, nehmen wir unser Frühstück erst um sieben Uhr ein. Wir müssen schließlich nur noch absteigen und heimfahren. Das Wetter wird nun aber schnell besser und praktisch alle Wolken verziehen sich. Jetzt sieht man, dass alle oberen Gipfelbereiche frisch verschneit sind. Wir erfahren, dass die Weisshorn Aspiranten deswegen von einer Besteigung abgesehen haben (sie hatten es wohl sogar versucht). Der Abstieg nach Zinal ist dann recht flott geschafft, denn nach zweieinhalb Stunden stehen wir schon wieder am Bus. Als Belohnung gönnen wir uns, als zweites Frühstück noch einen Cappuccino mit einem Croissant, was für Schweizer Verhältnisse sogar recht günstig ausfällt. Auf geht´s zur langen Heimfahrt.

Wir kommen bei bestem Wetter am Spätnachmittag in Wangen an. Ist denn nicht gerade Kinderfest? Das ist ja wunderbar! Es bietet sich geradezu an noch zum Festplatz zu gehen um dort auf einen schönen Ausklang der gelungenen Tour anzustoßen.

Vielen Dank noch mal an unsere zwei stets zuverlässigen Tourenführer Hubert und Bolle für die perfekte Planung und Durchführung.