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Lawinenkurs-Entscheidungstraining

Am Freitag, den 1. März traf sich unsere Gruppe mit Angela, Birgit, Almut, Martina, Markus, Matthias, Johannes und Tourenleiter Hubert Weber um 16.00 Uhr zur Abfahrt zum Lawinenkurs-Entscheidungstraining am Argenhallenparkplatz.

Gemeinsam ging es mit dem DAV-Bus zur Jubi in Bad Hindelang. Trotz schlechten Wetters und einer nicht besonders guten Wetterprognose für das Wochenende war die Stimmung in der Gruppe gut und bei der kurzweiligen Fahrt entwickelte sich schnell ein reges Kennenlernen und ein interessierter Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmern. Nachdem wir in der Jubi angekommen waren, unsere netten Zimmer bezogen und uns beim gemeinsamen Abendessen gestärkt hatten ging es sogleich ans Werk mit einer intensiven Lerneinheit, in der wir von Hubert in den Grundlagen der Skiroutenplanung unterrichtet wurden. Die Schwerpunkte waren zum einen das Lesen und Verstehen des Lawinenlageberichts und die Planung  der Skitour mit der Landkarte. Abschätzen der Routenlänge und -dauer, Messung der Hangneigung, Identifizieren kritischer Stellen und möglicher Ausweichmöglichkeiten, Erkennen markanter Orientierungspunkte, sowie das Erlangen einer Vorstellung der Topologie des Geländes anhand der Höhenlinien waren praktische Übungen, die wir mit Huberts Hilfe zu meistern versuchten. Weiter wurde lebhaft diskutiert, wie wir die Informationen aus der Karte mit dem Lawinenlagebericht in Einklang bringen können, um zu einer möglichst sicheren Routenwahl zu kommen. Nach dieser intensiven Lerneinheit rauchte uns allen etwas der Kopf und wir ließen den Abend bei einem oder zwei wohl verdienten Bier ausklingen.

Am nächsten Morgen kamen wir nach dem gemeinsamen Frühstück zunächst wieder im Seminarraum zusammen, um das am Vorabend gelernte nun bei der Planung für die anstehende Skitour anzuwenden. Als Tourenziel wurde von Hubert die Reuterwanne (1542m) bei Jungholz ausgegeben. Mit Kartenausschnitten, die uns Hubert kopiert hatte, machten wir uns gleich ans Werk eine schöne und sichere Tour zu planen. Nachdem die Route stand fuhren wir bei grau bedecktem Himmel die kurze Strecke nach Jungholz. Nach der obligatorischen Piepserkontrolle ging es auch schon los. Zunächst war aber nicht die Lawinenlage die Herausforderung, sondern überhaupt genug Schnee für einen Aufstieg zu finden. Über Restschneefelder ging es bis an den Waldrand und von da teils auf dem Forstweg, teils quer durch den Wald bis zur ersten Rast an einer Alpe. Dort machten wir nach einer kleinen Vesperpause an einer mächtigen Wechte verschiedene Übungen mit dem LVS und der Lawinensonde. Danach ging es weiter über einen ebenfalls aperen Hang hinauf zur Reuterwanne. Auf dem Weg machten wir immer wieder Halt um anhand der Karte unsere Position zu überprüfen, lernten von Hubert wie wir im Gelände einfach die Hangneigung ermitteln können und erhielten weitere hilfreiche Tipps aus seinem großen Erfahrungsschatz. Auf der nun nordwestlich ausgerichteten Abfahrt lag deutlich mehr Schnee und wir konnten oben über einen freien Hang und weiter unten durch den Wald und dann auf dem Forstweg einigermaßen genussvoll abfahren.

Für den Sonntag wurde von Hubert der Iseler (1876m) bei Oberjoch als Ziel ausgegeben. Also kamen wir am Morgen nach dem Frühstück wieder zusammen um diese Tour zu planen. Nach einem genaueren Blick in die Karte wurde schnell klar, dass dies eine deutlich anspruchsvollere Tour werden wird, die bei der herrschenden Gleitschneeproblematik auch nicht ohne Risiko ist. Wir legten uns extra ins Zeug, maßen Hangneigungen, suchten kritische Stellen, legten Ausweichstrecken fest und als wir uns einig waren, wie wir die Tour machen wollen packten wir unsere Sachen in den Bus und fuhren wir kurze Strecke nach Oberjoch. Bei schönem Sonnenschein benutzten wir zuerst die Iselerbahn, um den Aufstieg zu verkürzen. Danach ging es im steilen, teilweise sehr steilen Gelände bei ca. 15cm Pulverschnee auf hartem Altschnee sehr direkt auf dem Iselergipfel zu. Wir alle meisterten diesen anspruchsvollen Aufstieg problemlos und standen eine gute Stunde später sehr zufrieden auf dem Gipfel und genossen eine herrliche Aussicht von der Zugspitze im Osten über die Allgäuer Alpen bis zum Säntis im Westen. Dass es draußen im Gelände trotz bester Planung anders kommen kann als man denkt mussten wir bei der nun anstehenden südseitigen Abfahrt feststellen. Die bevorzugte Abfahrt, die zunächst über den Ostgrat führen sollte wurde von Hubert als zu steil und riskant eingeschätzt und die angedachte Alternative über eine südseitige Schneise war mit tiefen Gleitschneerissen durchsetzt und nicht befahrbar. So blieb uns nur neben der Schneise, auf einem mit lichtem Wald bewachsenen Rücken abzufahren. Hier übernahm Hubert die Führung und fand mit seiner Erfahrung und gutem Auge für das Gelände eine fahrbare Variante. Begleitet von einzelnen Neuschneerutschen kamen wir sicher über diesen Steilhang und konnten im unteren, flacheren Teil des Hanges noch einige schöne Schwünge im tiefen Sulz machen. Unten angekommen haben wohl alle von uns beeindruckt und mit Respekt auf diesem Hang zurückgeblickt. Nun hieß es wieder anfellen und den kurzen Aufstieg zur Zipfelsalpe hinter uns zu bringen, wo wir eine Rast einlegten und natürlich wieder Suchübungen mit dem LVS machten. Auf der Höhe ging es danach weiter in Richtung Osten, wo wir noch eine kritische Abfahrt durch ein Kar erwarteten. Hier war auf unserer Strecke die Altschneedecke zum Glück fest und der Neuschnee bildete einen weichen Firn und das Abfahren machte richtig Spaß. Die großen Wechten zur Linken und die bereits abgegangene große Lawine zur Rechten machten deutlich, dass wir uns hier nicht lange aufhalten sollten. Also schnell weiter und in Sichtweite waren bereits die Skipisten von Schattwald zu sehen, welche wir dann auch für die Talabfahrt nutzen. An der Talstation angekommen gönnten wir uns erst einmal ein kaltes Getränk, während Hubert eine Mitfahrgelegenheit nach Oberjoch nutzte und den Bus holte.

 

Es war für uns alle ein sehr schönes und lernintensives Wochenende und wir möchten uns herzlich bei Hubert für die „Rundumbetreuung“ und die vielen Informationen und Tipps und seine Geduld bedanken.