+++ Der Buchungsstart verschiebt sich auf den 9. Dezember 2022 18:00 Uhr !

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Trettach und Mädelegabel – zwei Klassiker der Allgäuer Alpen

Samstag: Parkplatz Fellhornbahn – Trettach – Waltenberger Haus

Unglaublich, aber wahr, der Wecker klingelt um 04:00 Uhr! Und das bei einer Tour in die nahen Allgäuer Alpen.

Abfahrt ist um 05:00 Uhr. Auf der Tour sind wir heute insgesamt nur zu dritt, in einer kleinen exklusiven Runde, um Tourenführer Andreas Maurus. Auch diesmal nehmen wir wieder unsere Mountain Bikes mit um uns die erste und letzte Etappe nach Einödsbach zu verkürzen. Ruckzuck kommen wir dann auch in Einödsbach an. Von hier aus geht´s zu Fuß weiter. Wir schlagen nicht den Weg zum Waltenberger Haus ein, sondern biegen gleich links auf einen steil angelegten Weg, zuerst durch Wald, später über Wiesen, vorbei an der Einödsbergalpe und weiter über steile Grashänge zum Fuß der Trettachspitze. Hier gibt´s erst mal eine kurze Pause. Wir ziehen unsere Ausrüstung an und machen uns bereit in die Tour über den Nordostgrat einzusteigen. Es ist einiges los heute und mehrere Seilschaften befinden sich am Einstieg der Tour und ein paar sind bereits weiter oben auf dem Grat zu sehen. Die ersten zwei Seillängen gehen relativ zügig und sind nicht wirklich schwierig. Trotzdem sichern wir uns immer absolut vorschriftsmäßig, was uns gleich mal die nötige Sicherheit für den weiteren Aufstieg gibt. Als wir weiter klettern hören wir plötzlich einen Heli herannahen. Bald können wir erkennen, dass es sich um die Bergrettung handelt und sie direkt an den Grat über uns fliegen. Durch die Verwirbelungen der Rotorblätter rieseln kleinere und auch größere Steine die Wand herunter, was nicht ganz ungefährlich ist. Eine Person wird aus dem Grat geflogen, was uns natürlich ein mulmiges Gefühl verleiht. Wenig später kommt er wieder zurück und holt eine zweite, wahrscheinlich der Seilpartner. Später erfahren wir, dass sich der erste die Schulter auskugelte und nicht mehr weiter klettern konnte. Wir klettern aber unbeirrt weiter und kommen bald direkt auf der Gratschneide an. Von hier hat man einen unglaublichen Tiefblick in die Trettachrinne. Ziemlich ausgesetzt geht es direkt an der teils körperbreiten Gratschneide ziemlich schnittig, aber in schöner Kletterei, nach oben. Es bleibt eigentlich immer ersichtlich wo man gute Griffe und Tritte findet. Bald gelangen wir zur Schlüsselstelle, dem Blodigkessel. Wir kommen auch dort gut und zügig durch und stehen bald auf dem Gipfel der Trettach. Hier gibt es eine Überraschung. Wir treffen auf fünf alte Bekannte aus der Sektion, die heute eine private Tour unternehmen. Wir wussten, dass sie auch unterwegs sind, aber nicht wo sie sich befinden.

Nach kurzem Hallo und kurzer Rast machen wir uns nun gemeinsam an den Abstieg über den Nordwestgrat. Wir seilen uns praktisch über den gesamten Grat ab, was ziemlich lange dauert, da sich bei uns noch zwei zusätzliche, fremde Seilschaften, einklinken. Aber das Wetter ist schön und stabil und wir haben die Zeit, warum dann nicht die herrlichen Ausblicke genießen?! Irgendwann kommen wir dann aber tatsächlich wieder unten an. Schnell die Kletterausrüstung wieder ablegen, einpacken und auf geht´s im flotten Schritt hinüber zu unserer Nachtunterkunft dem Waltenberger Haus. Die Hütte hat ca. sechzig Schlafplätze, ist heute aber mit rund neunzig Personen belegt – guten Abend, das wird eine lustige Nacht! Die Überbelegung hat seinen Grund, denn sie wird in zwei Wochen abgerissen und durch einen neuen Bau ersetzt. Alle wollen sie noch ein letztes Mal sehen. Aber das Hüttenpersonal ist auf zack und wir werden bestens versorgt. Allerdings verläuft die Nacht wie schon erwartet verdammt unruhig und viele machen wohl kaum ein Auge zu.

 

Sonntag: Waltenberger Haus – Mädelegabel – Parkplatz Fellhornbahn

Am nächsten Morgen präsentiert sich das Wetter widererwarten schlechter als vorhergesagt und der Hüttenwirt sagt schon für die Mittagszeit Gewitter an. Kurzerhand müssen wir unsere eigentliche Tour (Hochfrottspitze Überschreitung zur Mädelegabel) umplanen. Wir gehen nun schnellstmöglich auf dem Normalweg, über die Bockkarscharte, zur Mädelegabel. Als wir über den Schwarzmilzferner laufen, dem einzigen noch bestehenden Gletscher in den Allgäuer Alpen, sind alle überrascht, dass dieser tatsächlich immer noch existiert. Wir sind flott unterwegs und kommen bei leichter Bewölkung und Sonnenschein am Gipfel an. Von hier hat man eine wunderbare Rundumsicht. Auch unser Gipfel von gestern ist in greifbarer Nähe und gut zu sehen. Bevor sich das Wetter verabschiedet machen wir uns wieder an den Abstieg über die gleiche Route. Zurück an der Hütte wird nochmals gevespert und etwas getrunken. Wenig später machen wir uns auch schon wieder an den weiteren Abstieg zurück nach Einödsbach. Der Weg nach unten ist nicht zu unterschätzen (man muss immer konzentriert sein), da es steil und immer etwas abschüssig abwärts geht und es vor allem oft feucht und deshalb sehr schmierig ist. Als wir in Einödbach ankommen, machen wir noch eine verdiente Pause im Einödhof bevor es wieder mit den Mountain Bikes zurück zum Parkplatz geht. Alles in allem mal wieder eine rundum gelungene Tour. Mal sehen was uns der Herbst bringen wird.