+++ Der Buchungsstart verschiebt sich auf den 9. Dezember 2022 18:00 Uhr !

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„Bergeller Hüttenzauber“ –

Vom Malojapass zum Comer See

Um es gleich vorweg zu nehmen: Zauberhaft war so gut wie alles, was uns in diesen 5 Tagen begegnete: das Wetter, die Route, die Hütten samt Hüttenwirten/innen, die wilde Kulisse der Bergeller Berge, die Blumen am Wegrand, die Stimmung der Teilnehmer …. Wer die Fotos anschaut, kann vielleicht ahnen, wie es war, doch das Erlebte wurzelt noch viel tiefer.

Die Vorfreude bekam schon einen kräftigen Schub, als der Wetterbericht für die kommenden Tage sonniges und stabiles Hochdruckwetter verkündete.

Am Malojapass angekommen, gab es zuerst mal frische Laugenhörnle und Seelen mit Butter und Käse – immerhin standen gut 4 Stunden Aufstieg durchs herrliche Fornotal auf dem Plan. Beeindruckend war das frische Grün der Lärchenbäume und die Blumenpracht auf den Almwiesen, bevor der Weg steiniger und zum Schluss auch deutlich steiler wurde.

Auf der Hütte begrüßte uns das Hüttenwirtspaar Beat und Alena mit einem Glas Apero. Der Ausblick ins Fornobecken und die zackigen Türme der Torronegruppe war einfach fantastisch. In Gedanken war ich schon wieder unterwegs zu neuen Tourenzielen in dieser grandiosen Bergwelt.

Am zweiten Tag stand zuerst einmal der Abstieg von der Hütte auf den Fornogletscher an.   Da die übliche Route durch einen Bergrutsch verschüttet und somit ungangbar war, mussten wir einen mühevollen Umweg über Blockgelände in Kauf nehmen. Die Traversierung des Fornogletschers war kein Problem, wohl aber der folgende Aufstieg über den steilen Moränenwall, wo lose Steine und viel Schutt den Aufstieg mühsam und auch gefährlich gestalteten. Doch dank eines Fixseiles konnten wir diese unangenehme Passage bald hinter uns bringen. Auf einem grünen Rücken legten wir dann eine Pause ein, bevor der Weiterweg zum Pass Casnil Sud durch anfänglich flache, später jedoch steile Schneefelder erfolgte. Nach einer weiteren Pause erfolge dann der Abstieg über einen Felsrücken hinunter zur Capanna Albigna, wo an diesem Tag ein Hüttenfest angesetzt war. Dank der Voranmeldung war der Schlafplatz gesichert und ein leckeres Abendessen ließ unsere verbrauchten Kräfte nach über 7-stündiger Tour wieder sammeln.

Am dritten Tag sollte es über den Caciabellapass Sud gehen, und anschließen durch eine Steilrinne hinunter zur Capanna Sciora. Da jedoch in der Steilrinne noch sehr viel Schnee lag und die Sicherungsseile u. –ketten noch nicht montiert waren, entschlossen wir uns, diese Passage zu umgehen. Also stiegen wir zur Staumauer ab und fuhren mit der Seilbahn ins Tal hinunter. Mit dem Postbus ging es bis Promontogno, von wo aus wir auf einem schattigen Waldweg zum berühmten Dorf Soglio aufstiegen. Soglio liegt sozusagen auf einer Aussichtsterrasse gegenüber der wilden Kulisse des Bondascatales, gekrönt mit den Granitriesen der Scioragruppe, des Piz Cengalo , des Piz Badile und des Piz Trubinasca – ein einmalig schöner, vielleicht für manchen auch abschreckender Anblick.

Nach diesem Ausflug nach Soglio stand uns der knapp 4-stündige Aufstieg zur Capanna Sass Furä bevor. Gott sei Dank verläuft der Weg von Bondo aus zunächst im schattenspendenden Wald und später nach der Überquerung des wilden Bondascaflusses auf einem nordseitig ausgerichteten Geländerücken. Trotzdem standen uns die Scheißperlen auf der Stirn, denn die Temperaturen waren ja überaus sommerlich. Wie erfreuten wir uns da, als die Hütte näher kam und die Hüttenwirtin Heidi uns mit einem frischen Lärchenschorle begrüßte. Da wir die einzigen Gäste waren, konnten wir uns ausbreiten, uns auf den Holzbänken zu einem erholsamen Schlaf niederlegen , die tolle Aussicht genießen , eine erfrischende Dusche am Hüttenbrunnen nehmen oder auf ein kühles Bier anstoßen. Es war einfach paradiesisch schön hier ! Zum Abendessen verwöhnte uns Heidi mit einer wunderbaren Gemüsesuppe und herrlich duftenden Hirtenmakkaroni, dazu ein guter Tropfen Rotwein – Herz, was willst du mehr?

Der Anstieg zum Trubinascapass am vierten Tag ließ uns zunächst gut vorankommen. Da in dem Couloir vor dem Pass die Sicherungsketten jedoch noch unter dem Schnee begraben waren, musste ich zur Sicherheit der Teilnehmer zunächst ein Fixseil anbringen. Wohlbehalten erreichten wir somit den Passübergang, auf dem es südseitig wiederum kettengesichert ca. 100 m abwärts ging. Ein steiles Schneefeld am Rinnenausgang erforderte nochmals Sicherung der Teilnehmer bevor es über Blockwerk zu einem markierten Wanderweg hinunter ins Val Codera ging. Ein langer Abstieg über 1400 Höhenmetern und ca. 8 km ließ unsere Füße müde werden. Endlich konnten wir uns an einem Brunnen erfrischen und erreichten bald darauf müde aber glücklich und zufrieden die Rifugio Brasca .

Die schwierigsten Etappen hatten wir hinter uns und so konnten wir am fünften Tag ganz entspannt den weiteren Abstieg durch das einsame Val Codera angehen. Auf einem breiten Kiesweg erreichten wir nach 1,5 Stunden die Sommersiedlung Codera – ein wunderschöner Fleck, umgeben beidseits von gewaltigen begrünten Bergflanken. Eine Einkehr war geradezu unabwendbar und so genossen wir ein Glas frischen Weißwein, den uns Brigitte spendierte.

Nach dem Dorf wird das Tal wieder enger, die Umgebung wieder steiler und der Wanderweg schlängelt sich durch eine Reihe von Galerien, um gefahrlos diese Bergflanken hinter sich zu bringen. Auf einmal wird die Sicht auf den Lago di Mezzola frei – ein besonderes Glücksgefühl durchströmte wohl nicht nur mich – einfach atemberaubend schön. Es führten nun noch viele Steintreppen zum Dorfeingang von Novate Mezzola und wir marschierten schnurstraks auf den See zu, um uns dort im kühlen Nass zu erfrischen.

Fünf erlebnisreiche Tage liegen nun hinter uns, die Begeisterung ist bei jedem zu spüren und der Lohn für die Anstrengungen ist die Erinnerung an die vielen schönen Momente, ein besonders wertvolles Geschenk.