Somit entfällt das immer sehr aufwendige und zeitintensive hin und her Planen für unseren Tourenleiter Hubert.
Bis kurz vor dem Termin sieht es dann tatsächlich so aus, als ob Schneeschuhe angesagt wären – so gut wie kein Schnee! Und das auf fünfzehnhundert Metern. Doch wir haben Glück! Einen Tag vor dem Start ins Ultental fängt es an zu schneien und es schneit dort auch noch, als wir am Dienstag mit dem vollbesetzten Bus aufbrechen.
Tag 1
Die Fahrt zieht sich ziemlich bis zu unserem Ziel. Bis man erst mal durch den ganzen Vinschgau nach Meran durchgetingelt ist (und dabei vom Reschen bis Meran von Carabinieri verfolgt wird 😒) und wir uns schließlich durch das gesamte Ultental, bis St. Gertraud, dessen Ende, durchschlängeln, sind wir mit Pausen gut fünfeinhalb Stunden unterwegs. Erstmal beziehen wir im superfreundlichen und gemütlichen Ultnerhof, den Hubert für uns reserviert hat, unsere Zimmer. Da es immer noch schneit und es bereits früher Nachmittag ist, schlägt Hubert vor, zuerst mit einer LVS Schulung zu starten. Vielleicht keine schlechte Idee, denn wir haben eine angespannte Lawinenwarnstufe, die sich die nächsten Tage auch nicht ändern wird. Doch bevor es losgeht, genehmigen wir uns natürlich noch den ersten (von vielen folgenden), leckeren, original italienischen, Cappuccino. Danach treffen wir uns vor dem Haus, um quasi im Trockenen, das Verhalten unserer unterschiedlichen LVS-Geräte in Bezug auf Erstempfang, der angezeigten Entfernungswerten und den Richtungsanzeigen, besser kennenzulernen, bevor wir nebenan in die mit zwanzig Zentimetern, frisch verschneite Wiese, gehen. Hier hat Hubert bereits drei LVS-Geräte auf einer weiten Fläche vergraben. In zweier Gruppen machen wir uns, ohne Zeitdruck auf die Suche und versuchen Vertrauen in unsere Geräte zu gewinnen und die sehr wichtige, immer konstante Suchausrichtung zu trainieren und zu verfeinern. So fliegen ein oder eineinhalb Stunden, im Schneefall, dahin, bis wir alle drei Mehrfachverschütteten zielsicher gefunden, sowie unsere Erfahrungen ausgetauscht und analysiert haben. Jetzt aber ab ins Warme. Das Schöne an unserer Unterkunft ist nicht nur das abendliche, ober leckere, Südtiroler vier Gänge Menü, der hervorragende Wein, oder das überaus reichhaltige Frühstücksbuffet, sondern, dass es tatsächlich auch noch einen kleinen Wellnessbereich mit Sauna gibt. Diesen nutzen wir nach unseren Touren sehr gerne, um uns wieder aufzuwärmen und uns für die nächsten Touren wieder zu erholen.
Tag 2
Heute wollen wir direkt von der Haustüre aus losgehen. Allerdings schneit es immer noch und wir wissen nicht, wie weit wir wegen der Lawinensituation kommen werden. Wir planen aber mal in Richtung Welscher Berg zu gehen, wobei wir schon wissen, dass der Gipfel aufgrund der Steilheit des Aufstiegs nicht machbar sein wird. Wir gehen entlang des Kirchbergbaches, immer nur leicht ansteigend, tief in das Tal hinein. Es ist niemand unterwegs heute und wir genießen die Ruhe und Stille beim Laufen. Bald erreichen wir einige Wegweiser. Einer davon schickt uns scharf links, relativ steil, direkt in den ziemlich dichten Wald. Der Weg hindurch teilweise recht schmal, über einiges Wurzelwerk und leider auch etlichen, nur leicht mit Schnee bedeckten Felsen. Hmm, wenn wir hier wieder runter fahren müssen, dann könnte das seeehr interessant werden, denken sich wahrscheinlich die meisten von uns. Aaaber, die Aufstiegsspur bis hinauf zur Waldgrenze ist landschaftlich wirklich wunderschön. Weier oben kommen wir an einem lawinenkritischen Landschaftseinschnitt vorbei. Hier ist Gott sei Dank schon alles abgegangen und somit können wir unkritisch weiterlaufen. Bald darauf erreichen wir die Ebene des Talkessels und die Alplahner Alm auf 2.250m. Für uns ist dies heute unser Gipfel, da der Weiterweg nun richtig steil werden würde. Zu unserer Überraschung ist die Tür vom Stallgebäude nicht verschlossen und so können wir dort im Trockenen Vesperpause machen. In der Zwischenzeit gräbt Hubert draußen noch zwei Schneeprofile (kleiner Block und großer Block). Somit können wir vor dem Aufbruch noch die Profile begutachten und den Klopftest machen. Man sieht, dass die Altschneedecke nur um die fünfzehn Zentimeter dick ist und ausschließlich aus Griesel besteht. Beim ersten, sachten Schlag rutscht der kleine Block dann schon weg, der Große ebenfalls, und zwar gleich großflächig! Somit haben wir´s schwarz auf weiß – eine seeehr instabile Altschneesituation – heißt also Vorsicht walten lassen. Nun geht es tatsächlich, wie befürchtet, den gleichen Weg wieder zurück. Durch den Wald lassen wir uns Zeit und versuchen Obacht zu geben. Leider beklagen die meisten von uns etlichen Felskontakt 😩. Aber alle kommen unter wieder gut an. Die flache Talausfahrt zurück zum Ausgangspunkt gestaltet sich leider etwas anstrengend. Jetzt zuerst mal einen Cappuccino, Kuchen und danach Erholung im Wellnessbereich. Das Abendmenü ist wieder genial und reichhaltig.
Tag 3
Hubert hat sich am frühen Morgen schon Gedanken zur heutigen Tour gemacht und eine sichere Tour ausgetüftelt. In der Nacht hat es aufgehört zu schneien und deshalb fahren wir mit dem Bus etwas das Ultental hinaus, bis kurz nach Kuppelwies, wo wir am Ende des Stausees links Richtung Larcherberg abbiegen. Wir fahren auf eine Höhe von sechzehnhundert Meter, wo es direkt an der Straße einen Parkplatz gibt. Dort queren wir den gesamten Bergrücken von Larcherberg, über Platzwies und gelangen so, mit relativ wenig Höhengewinn zur Larcherberger Säge, ins Kofelrastertal, wo wir eine kurze Trinkpause einlegen. Das Wetter hat jetzt sogar aufgemacht, die Sonne scheint und wir kommen sogar etwas ins Schwitzen. Von hier machen wir nun Höhenmeter. Allerdings haben fast alle mit Stollen am Fell zu kämpfen. Das kostet ganz schön Kraft und es nervt gewaltig. So zieht es sich ein wenig, bis wir zur wunderschön gelegenen Kühberg Alm (2.050m) gelangen. Hier gibt es ein sonniges, windstilles und aussichtsreiches Terrassenplätzchen, welches sich wunderbar für eine Vesperpause eignet. Als wir wieder weiter gehen, macht das Wetter leider wieder etwas zu und die Sicht wird wieder diesiger und auch der Wind nimmt wieder zu. Bald erreichen wir unser anvisiertes Ziel, den Kofelrast 2.311mm (eine Erhebung ohne Gipfelkreuz). Leider gibt es auch heute, aufgrund des wenigen Schnees, der die Felsen gerade so, für uns nicht sichtbar, überdeckt, immer wieder Kontakt und unsere Tourenski müssen teilweise sehr leiden. Als wir zurück an den Bus kommen, stellen wir fest, dass die Sonne heute auf den Südhängen dem Schnee schon wieder mächtig zugesetzt hat. Zufrieden kommen wir zurück zum Ultnerhof und zu unserer täglichen Routine – Cappuccino, Kuchen, Wellness, geniales Abendessen und gute Gespräche. Außerdem beruft Hubert noch eine kleine Schafkopfrunde ein, um das auf der Niederwangener Hütte erlernte nicht ganz zu vergessen. Es funktioniert auch wieder ganz gut und wir spielen einige interessante Runden.
Tag 4
Das Wetter ist wieder etwas schlechter geworden. Zwar kein Schneefall, dafür ist es aber bedeckt und sehr diesig, soll aber gegen Mittag etwas besser werden. Deshalb haben wir es heute Morgen nicht wirklich eilig. Am Vortag habe ich mich noch gewundert, warum Hubert nicht im Wellnessbereich ist, dementsprechend sind wir alle ziemlich überrascht, dass Hubert vor der Abfahrt noch was geplant hat. Wir hatten noch über das Sondieren mit der Lawinensonde diskutiert. Aus diesem Grund hat er noch am Abend fünf verschiedene Materialien im großen, zusammengeschobenen Schneehaufen, neben dem Haus für eine Übung vergraben. Es geht darum ein Gefühl zu bekommen, dass man auf etwas getroffen hat und zu spüren, dass man z.B. die gesuchte Person gefunden hat. Dies auszuprobieren ist für uns wirklich sehr einprägsam. Außerdem hatten wir noch über die Pieps iProbe Sonde gesprochen und, dass sie die Suche enorm verkürzen kann. Auch dies probieren und trainieren wir noch ausgiebig. Fazit – sie ist wirklich eine enorme Hilfe in der Geschwindigkeit der Suche und sehr wohl die Investition wert! Nun fahren wir aber noch ins hintere Ultental, hoch zum Stausee Weißbrunn. Hier starten wir unsere Tour zum Schmelzbichl, 2.370m. Vom Parkplatz, gehen wir vorbei am Gasthaus Knödlmoidl. Weiter führt uns die Route zuerst entlang des Wanderwegs. Die am Weg gelegenen Holzhütten der Weissbrunn-Alm lassen wir schnell hinter uns und nach weniger als einem km erreichen wir eine Weggabelung, wo wir links, über eine kleine Brücke, abbiegen. Sehr abwechslungsreich, über einige lichte Waldstufen, schlängelt sich die Route zum Fischersee und zur Mittleren Weißbrunn Alm, 2.068m, die auf uns aber eher verfallen wirkt. Hier machen wir eine kurze Vesperpause. Es geht weiter und wir überqueren in einem Linksbogen die Bachschlucht, bevor wir nach einigen Spitzkehren, durch eine steile, teilweise gefrorene Mulde an die Obere Weißbrunn Alm, 2.220m, kommen. Ab hier ist offenes Gelände, welches uns unschwierig zum Gipfel bringt. Wir sehen schön das gesamte Ultental hinaus und auf der anderen Seite in die Ultener Berge. Die Abfahrt geht ganz gut und macht durch den Wald hindurch richtig Spaß, sodass wir bald wieder am Auto sind. Der Weg zurück ist kurz und wir freuen uns schon wieder auf die Abendroutine. Die abendliche Schafkopfrunde wird heute mit Christine und Daniela erweitert. Auch sie werden von Hubert eingelernt und haben sichtlich Spaß am Spielen😁.
Tag 5
Auch heute überrascht uns Hubert mit einer LVS-Übung noch bevor wir auf Tour gehen. Am frühen Morgen hat er schon drei Geräte in der großen, steilen Wiese verbuddelt. Er kommt unserem Wunsch nach, mal auf Zeit und unter Druck, eine Suche durchzuführen. Er erklärt uns, wo genau die vermeintliche “Lawine“ abgegangen ist und, dass es sich um drei Verschüttete handelt. Die Zeit beginnt. Wir teilen uns auf und los geht´s. Die ersten zwei Verschütteten finden und befreien wir innerhalb ca. sieben Minuten. Beim dritten tun wir uns mit dem Erstsignal schwerer, da er ganz am Rand des Lawinenabgangs und sehr tief verschüttet liegt. Aber durch den Einsatz der Pieps iProbe finden und graben wir ihn innerhalb von zwölf Minuten aus. Alles in allem hat alles ganz gut geklappt, mit leichtem Verbesserungspotential, was wir gleich noch analysieren. Zufrieden machen wir uns mit dem Bus zwischen St. Walburg und St. Pankraz, wo wir rechts Richtung Proveis abbiegen. Nach dem letzten Tunnel links, starten wir vom Wanderparkplatz Hofmahd unsere Tour zum Kleinen Kornigl, 2.311m. Wir überqueren die Straße über eine Brücke und erreichen bald die schön gelegene und bewirtschaftete Cloz Alm. Endlich kommt nun auch mal die Sonne raus und so können wir schön unseren weiteren Aufstiegsweg sehen. An der Alm biegen wir halbrechts ab und gehen anfangs sanft über Almwiesen und lichtem Wald weiter nach oben. Allmählich wird es steiler und wir kommen auf eine Kuppe, von wo wir in die Aufstiegsrinne zur Scharte des Kleinen und Spitzigen Kornigl einsehen können. Es ist noch keine Spur angelegt, aber die Verhältnisse sind gut, sodass wir den Anstieg angehen. Bis zur Scharte hoch geht es dann auch besser als erwartet. Hubert geht, ohne Ski, zur Erkundung noch den Grat hoch, auf dem es weiter zum Gipfel geht, dreht aber bald wieder um, da er bis zu den Knien einsinkt und so ein Weiterkommen zu beschwerlich werden würde. Also genießen wir von der Scharte, 2.270m, aus das Panorama und machen uns bald wieder an die Abfahrt zu Cloz Alm. Wir nehmen das Angebot zur Einkehr gerne wahr und lassen es uns auf der Terrasse, in der Sonne, gutgehen. Als wir aufbrechen wollen, gibt uns die Wirtin wegen eines falsch gelieferten Getränkes, eine Runde Schnaps aus. Seeehr nobel! Aber wir nehmen natürlich gerne an 😁. Fast schon wieder auf den Ski meint Hubert Beck, dass der Zirben richtig gut geschmeckt hat, was ich nur bestätigen kann. Wir entschließen uns kurzer Hand noch einen Zweiten zu trinken und gehen nochmal rein. Zu unserer Überraschung gibt uns die Wirtin abermals den Schnaps aus!! So einen Service hab ich selten bis noch nie gesehen! Das nenn ich mal überaus gastfreundlich. Von der Alm sind wir dann in zehn Minuten wieder am Parkplatz beim Bus. Leider ist heute schon wieder der letzte Abend, wie schnell doch die Zeit vergeht. Auch heute spielen wir zum Abschluss noch einige interessante, spannende und lustige Schafkopfrunden.
Tag 6
Nach einem letzten ausgiebigen Frühstück packen wir alles zusammen und fahren nach Kuppelwies, zur Schwemmalm Bahn, um vom Skigebiet aus noch eine Abschlusstour zu unternehmen, bevor wir wieder Richtung Heimat fahren. Wir fahren mit der Gondelbahn (kostenlos mit der Gästekarte) bis zur Bergstation der Schwemmalmbahn und danach gleich wieder etwas ab bis zur Schwemmalm, von wo wir starten. Wir bewegen uns immer im freien Gelände, abseits der Skipisten, aber auch immer in Sichtweite. Das Wetter zeigt sich zum Abschluss von seiner besten Seite – blauer Himmel und Sonne satt! Hubert legt eine ideale Aufstiegsspur an, auf der hinter uns noch ein einheimischer gerne folgt. Er holt uns ein und bedankt sich recht herzlich dafür. Vorbei an den Drei Mandler und der Lift Bergstation, erreichen wir bald den Gipfel des Mutegg, 2.658m. Es ist ziemlich zugig hier oben, aber mit bester Aussicht. Wir bleiben nicht allzu lange und machen uns lieber wieder für den Aufbruch bereit. Diesmal nehmen wir die hervorragend präparierte Piste, um wieder zurück zur Bergstation der Gondel zu gelangen. Das Skigebiet macht überdies einen sehr gepflegten und hervorragenden Eindruck. Gut am Bus angekommen, packen wir unsere Skiausrüstungen ein und machen uns gleich an den Nachhauseweg.
Leider gehen die sechs Tage, mit aufregenden und abwechslungsreichen Touren, grandiosem Essen, schönem Wellnessbereich, witzigen Schafkopfrunden, netten Zimmergenossen/innen, sehr guten Unterhaltungen und ausführlichen Schulungen wie immer, vieeel zu schnell zu Ende. Ehe man sich versieht, sitzt man schon wieder im Bus und fährt Richtung Heimat.
Herzlichen Dank an Hubert, der mal wieder alles super geplant und organisiert hat und uns mit seiner Leidenschaft zur Sicherheit bei Skitouren, den verschiedenen LVS-Übungen und den Umgang mit den eigenen Geräten überaus motiviert hat, diese Kenntnisse weiter auszubauen.
Peter Klugger