Dieser angekündigte Jahrhundert Winter hält, was er verspricht, und zwar genau in die gegenteilige Richtung. Die sonst so schneeverwöhnte Schweiz hat fast gar keinen Schnee abbekommen oder sooo wenig, dass es gerade nur so angezuckert ist. Dies bedeutet für unseren Tourenführer Hubert Weber mal wieder – schauen, recherchieren und sehen wo anderweitig was geht. Zum Glück hat es am Samstag bei uns im Allgäu richtig viel geschneit und Hubert ist gleichzeitig auch noch einer der Hüttenwirte der Niederwangener Hütte in Riefensberg. So bietet sich diese als Stützpunkt für Touren zu Hause geradezu an. Auch mal schön Touren in nächster Umgebung zu machen.
Tag 1
Somit starten wir am Sonntag erst kurz nach Mittag. Hubert sammelt noch ein paar Teilnehmer mit dem Bus ein und fahren dann zu unserem ersten Tourenausgangpunkt nach Weißach/Oberstaufen, wo er einen idealen Parkplatz kennt. Die Landschaft ist frisch und tief verschneit, auch die Sonne kommt nun ebenfalls raus als wir uns bereit machen – Wintertraumland! Als Eingehtour soll es auf den Hündlekopf gehen, sind ja nur vierhundert Höhenmeter. Ausführlicher LVS-Check zu Beginn und los geht´s. Bis auf zwei Schneeschuhengeher, ist unsere siebener Gruppe alleine unterwegs. Mit dem Gipfel praktisch immer vor Augen, gehen wir immer mäßig steil, über offene Flächen, queren ein paar Fahrstraßen und durch lichten Wald. Wir genießen die Nachmittagssonne und die wunderbaren Aussichten. Kurz vor dem Gipfel müssen wir noch das Hündle Skigebiet queren, ehe wir am Gipfelkreuz stehen. Da es schon später am Tag ist, wird es langsam schon wieder kälter und wir starten nach kurzer Rast mit unserer Abfahrt. Hubert findet im oberen Drittel tatsächlich noch unverspurtes Gelände in dem wir schöne Spuren ziehen können. Bald sind wir wieder zurück am Bus angekommen. Die Sonne zieht sich auch schon langsam zurück, als wir Richtung Riefensberg fahren. Am Parkplatz der Niederwangener Hütte ist es dann fast schon dunkel. Hubert hat für unseren Hüttenaufenthalt und die nächsten Tage noch für alle das Essen eingekauft, welches wir nun auf die Hütte transportieren müssen. Zuerst bringen wir allerdings mal unser Gepäck nach oben. Der Aufstieg mit den Skiern dauert ca. 15-20 Minuten. Hubert hat den Schlüssel von einer anderen Gruppe die vorher noch auf der Hütte war übernommen (der Vorteil hierbei ist, dass sie bereits schnuckelig warm ist) und wir stellen nur kurz unsere Rucksäcke ein. Zu dritt fahren wir mit Stirnlampen nochmal zum Bus und holen die ganzen Lebensmittel mit nach oben. Wir richten uns gemütlich ein und machen uns gemeinsam ans Kochen. Sehr gut und lecker gestärkt gehen wir zum gemütlichen Teil über. Hubert schlägt vor eine Schafkopfrunde zu spielen. Leider weiß keiner von uns wie man dieses Kartenspiel spielt. Somit bekommen wir nun eine ausführliche Schulung von Hubert und kommen immer mehr ins Spiel. Zwei Stunden später läuft´s schon ganz flüssig. Aber irgendwann wird´s nun Zeit ins Bett zu gehen, um morgen wieder fit zu sein.
Tag 2
Nach einem eisig kaltem, kristall klarem Abend, hat das Wetter komplett umgeschlagen. In den frühen Morgenstunden sind dichte Wolken aufgezogen und es ist richtig warm geworden. Heute gehen wir direkt von der Hütte aus los. Zuerst fahren wir wieder hinunter zum Parkplatz und gehen dann entlang des Waldweges hinauf zum Steinernes Tor, welches den Übergang hinüber zur Hochhäderich Talstation darstellt. Irgendwie wird es zunehmend wärmer. Es fängt an zu schneien und bald geht der Schnee in Regen über – na wunderbar! Über die Moos Alpe gelangen wir zur Häderich Talstation. Es stehen ganze drei Autos auf dem Parkplatz und nur zwei Lifte laufen. Kaum angekommen werden wir sofort von einem netten Herrn vom Liftpersonal begrüßt. Eigentlich wollten wir am Rand der Piste auf den Gipfel laufen, was er uns aber generell verbietet, obwohl überhaupt nichts los ist. Ok, wir verstehen das. Dann laufen wir eben außenherum, im freien Gelände, nach oben. Er eröffnet uns daraufhin, dass dies 10 Euro pro Person kosten würde! Da kostet ja eine einzelne Bergfahrt mit dem Lift weniger!! Dies versteht allerdings dann niemand mehr, da wir ja keinerlei Infrastruktur, welche irgendwie mit den Skiliften zu tun hätte, nutzen. Wir wussten gar nicht, dass der ganze Berg im Privatbesitz des Liftbetreibers ist?! Sehr fragwürdig! Etwas angesäuert entscheiden wir uns stattdessen zur Falken Hütte zu gehen. Auf dem Weg dorthin fängt es nun stärker an zu regnen. Wenn wir ankommen, wärmen wir uns erst mal ein bissl auf, bei einem heißen Getränk. Naja, es passt zum heutigen Tag, die Hütte hat heute Ruhetag – grrr! Wir stellen uns in den Wind- und Regenschatten der Hütte und nehmen dort, etwas wortkarg, unser Vesper zu uns. Lange halten wir es allerdings nicht aus. Hubert schlägt zwei Varianten zum Rückweg vor. Wir entscheiden uns von der Hütte über den Fahrweg zur Hörmoos Alpe, weiter zur Alpe Hochbühl zu fahren und wieder hinauf zum Skigebiet Steibis zu steigen. Es regnet jetzt richtig heftig. Wir queren zur Vorderen Fluh Alpe und gehen entlang des Kojen Kamms, immer auf gleicher Höhe, weiter zur hinteren Fluh Alpe. Hier nehmen wir die kurze Abfahrt hinunter zum Wald, laufen ein kurzes Stück durch ihn hindurch und erreichen bald den Schlepplift Hochlitten. Wir sehen unsere Hütte bereits und fahren das letzte Stück ab zur Hütte. Wir sind ganz schön überrascht, als wir erkennen, was der Regen vom Schnee rund um die Hütte übrig gelassen hat! Wau, so schnell kann das gehen – gestern Traumwinter – vierundzwanzig Stunden später matschig und vieles schon weggetaut! Heute ist Reste kochen angesagt und danach gibt´s noch ne weitere Runde Schafkopf bevor wir erschöpft ins Bett fallen.
Tag 3
Hmm, irgendwie klagt heute jeder er hätte nicht besonders gut geschlafen. Aber nach einem ausgiebigen Frühstück sind alle wieder fit und heiß auf die heutige Tour. Wir haben uns den Bullersch vorgenommen, mit Start von Schetteregg. Heute ist es wieder kälter und das Wetter ist auch ganz gut, mit nur wenigen Wolken. Vom Parkplatz des Skigebietes gehen wir zunächst ganz gemütlich auf der Alpstraße nach Eggatsbergvorsäß, vorbei an Leo´s Hütte (heute geschlossen 😄), erreichen bald die untere Falzalpe und ziehen über die offenen Hänge hinauf zur Isewartalpe, wo wir eine Trinkpause einlegen. Ab hier wird´s steil. Wir müssen mit vielen Spitzkehren durch den schattigen Wald hochkreuzen, bis wir den lichten Nordostgrat des Bullersch erreichen. Diesem folgen wir weiter, bis wir den Gipfel erreichen. Keiner außer uns hier Gipfelkreuz, aber es zieht ziemlich hier oben. Wir werden allerdings belohnt mit einer echt umfassenden Aussicht. Wegen dem zunehmenden Wind machen wir nur eine recht kurze Rast und machen uns lieber wieder bereit für die Abfahrt. Der Schnee ist allerdings auch hier oben kein Pulver mehr, sondern schon recht schwer, teilweise hart, mit Deckel und weiter unten noch viel schwerer. Die Abfahrt ist die eigentliche Herausforderung an diesem Tag. Der direkte Nordhang ist sehr steil, mit nur wenigen Bäumen und Sträuchern, aber aufgrund der instabilen Schneedecke nicht ratsam. Deshalb schlängeln wir uns mehr schlecht wie recht durch den steilen Wald und queren erst ziemlich weit unten in den eigentlichen Nordhang. Wir kämpfen uns zurück zur unteren Falzalpe und wieder auf den Fahrweg zurück zum Parkplatz. Nun wird aber endlich mal eingekehrt. Das Restaurant an der Liftstation hat doch tatsächlich geöffnet – juhu! Nun müssen wir nur noch motivieren, um wieder hoch auf die Hütte zu laufen. Aber auch das ist kein Problem. Es ist schon wieder der letzte Abend, wie die Zeit vergeht. Wir müssen das Abendessen ganz genau planen, damit wir nicht wieder etwas übrig haben, wenn wir die Hütte verlassen. Das kriegen wir mit vollen Bäuchen auch ganz gut hin 😄. Außerdem macht Hubert noch ein Indoor LVS-Training zur Auffrischung mit uns. Danach trainieren wir weiter Schafkopfen – es läuft schon ganz flüssig – unser Lehrer scheint zufrieden zu sein. Außerdem räumen wir alles, was nicht mehr gebraucht wird, schon mal zusammen, damit wir es morgen einfacher haben.
Tag 4
Gut geschlafen, letztes ausgiebiges Frühstück, alles aufräumen, sauber machen und zusammenpacken, damit wir die Hütte wieder dicht machen können. Das Wetter spielt mit – es scheint schöner Tag zu werden und stabil zu bleiben. Wir haben uns für Balderschwang und den Heidenkopf als Tour entschieden. Am Vorabend haben wir noch über die Verantwortung des Tourenführers für die Gruppe und einer sinnvollen, ungefährlichen und nicht zu kräfteraubenden Anlage der Aufstiegsspur gesprochen. Deshalb schlägt Hubert vor, dass für diese, relativ einfache Tour, jeder mal die Spuranlage machen und die Gruppe anführen soll. Es stellt sich heraus – wenn man´s nie gemacht hat, ist dies vieeel schwieriger als gedacht, als nur hinterher zu laufen und die Landschaft zu genießen. Man macht sich ständig Gedanken, wo und wie man geht, nicht zu steil, ist das noch sicher, kommt jeder mit, und, und, und. Hubert übernimmt außerdem noch das Coaching und analysieren tun wir gemeinsam. Scheint aber allen Spaß zu machen und lehrreich ist es sowieso. Vom Parkplatz direkt an der Straße, kurz nach Balderschwang, queren wir hoch zum gewalzten Fahrweg, auf diesem gemächlich bergan, bis wir an der an der Unteren Socheralpe links ins Gelände abbiegen. Von dort, durch eine Waldschneise und bald hinauf zur Alpe Oberbalderschwang, wo wir kurz Halt machen. Nach der Pause steigen wir immer in der gleichen Gehrichtung weiter hinauf, durch Mulden und lichtem Wald, bis wir links in den Felseinschnitt unterhalb des Gipfelkamms, hinauf zum Grat queren. Hier ist für uns heute Gipfel. Wir sitzen beim Vesper in der Sonne und genießen die Aussicht auf die Allgäuer Berglandschaft. Die Abfahrt verläuft im Prinzip immer entlang der Aufstiegsspur, gestaltet sich aber wegen des sehr weichen Schnees etwas anstrengend. So kommen wir bald wieder am Bus an und können uns um unser letztes Ziel kümmern - den sogenannten Einkehrschwung! Auf dem nach Hause Weg liegt ein sehr nettes Café in Simmerberg, das sich uns quasi aufdrängt. Wir werden nicht enttäuscht.
Somit finden unsere interessanten, lehrreichen und sehr schönen Skitourentage in unserer Heimat ein gelungenes Ende und wir können die nächsten Tage im Alltag noch davon zehren.
Vielen Dank an Hubert für die spontane Umplanung, die perfekte Organisation, inkl. Einkäufe und natürlich für den ausführlichen Schafkopf Lehrgang!
Peter Klugger