Skihochtouren
in der Venedigergruppe
Den
Großvenediger zu besteigen war eines der Ziele, die immer noch auf meiner
Wunschliste standen.
Um
diesen Wunsch zu verwirklichen, setzte ich diesen Gipfel in unser
DAV-Sektionsprogramm. Der Wetterbericht sagte für Dienstag und Mittwoch
(nach Ostern) gutes Bergwetter an und so fuhren 5 Teilnehmer mit mir am
Dienstagmorgen in aller Frühe ins Virgental bis zum Talschluss. Von dort
aus erfolgte der Aufstieg in ca. 3 Stunden zur Essener-Rostocker Hütte
auf 2208 m. Nach dem Verzehr von Gerstensuppe und Apfelstrudel schnallten
wir nochmals unsere Skier an und erstiegen den Hausberg, das Rostocker
Egge mit 2749 m . Belohnt wurden wir mit einer herrlichen Rundsicht zum
Reggentörl, der Nördlichen Malhamspitze, den Simonyspitzen, auch vom
Aufstieg von der Johannishütte zum Großvenediger war der
Gletscheranstieg Defregger Hütte, Mullwitz Aderl Rainerhorn, Rainertörl
und Hohes Aderl zu sehen. Der Großvenediger verbarg sich hinter den Ausläufern
des Großen Happ. Dafür war unser Tourenziel des nächsten Tages
wunderbar zu sehen: der gesamte Aufstieg zum Großen Geiger.
Das
Abendessen durften wir nicht verpassen – schließlich machte uns Bernd
schon im Aufstieg den Mund wässrig wie gut es sei. Also hieß es abfahren
und auch wenn die Schneequalität nicht die allerbeste war – der Gipfel
hatte sich wegen der hervorragenden Aussicht auf alle Fälle gelohnt.
Das
Abendessen hielt, was Bernd uns schon versprochen hatte: es gab ein 4-Gänge-Menü
mit Käse- und Spinatknödel, Salat, Schweinebraten mit Kartoffeln und zum
Schluss noch eine
Eis-Pudding-Kuchen-Variation – Bergsteigerherz was willst du noch mehr!?
Erleichtert
nahmen wir vom Hüttenwirt zur Kenntnis, dass die 4 am Großvenediger
vermissten Bergsteiger gerettet waren. Denn auch wir wollten ja auf der
gleichen Route zum Gipfel des Großvenedigers aufsteigen und wenn man dann
weiß, dass dort irgendwo 4 Menschen vermisst werden, so ist das schon ein
beklemmendes Gefühl, jedenfalls ging es mir so.
Der
nächste Tag bekann wieder mit einem opulenten Frühstück. Gut gestärkt,
machten wir uns um 7 Uhr auf den Weg zum Großen Geiger. Am Maurerkess hieß
es dann vorsichtshalber anseilen und auch streckenweise eine neue
Aufstiegsspur anlegen, denn die Direttissima-Variante heutiger junger
Skitourengänger ist nicht ganz mein Geschmack.
An
der Geigerscharte deponierten wir ein Teil unserer Rucksäcke und
erstiegen die steile SW-Flanke in einigen Spitzkehren und erreichten
schließlich zu Fuß den Gipfel. Hier auf 3360 m Höhe bot sich uns
wiederum ein traumhafter Rundblick und unseren weiteren Weg zur Kürsinger
Hütte konnten wir prima einsehen.
Nach
einer Rast war dann in schneller Abfahrt die Geigerscharte erreicht. Mit
einem Ablass- und Abseilmanöver überwanden wir die steile Felsbarriere
zum Obersulzbachkees. Anschließend erfolgte die Abfahrt z. T. noch in
herrlichem Pulverschnee – da nordseitig ausgerichtet - bis auf die
Gletscherebene „Ehemalige türkische Zeltstadt“ auf ca. 2330 m.
Hier
gönnten wir uns noch mal eine Vesperpause, bevor der schweißtreibende
Anstieg in den Nachmittagsstunden zur Kürsinger Hütte auf 2547 m begann.
Hier
hieß es relaxen, sich gut gehen lassen auf der Sonnenterrasse,
verschwitzte Kleider trocknen, Sonne genießen. Auch hier konnten wir
wieder mit einem prima Abendessen neue Kräfte auftanken.
Da
der Wetterbericht auch für Donnerstag noch gutes Wetter versprach,
starteten wir wiederum um 7 Uhr zum Anstieg auf den Großvenediger. Um 11
Uhr erreichten wir die Venedigerscharte auf 3400 m Höhe, legten hier eine
Vesperpause ein und deponierten unsere Rücksäcke. In knapp einer Stunde
erreichten wir von hier aus den Gipfel bei herrlichstem Wetter und sogar
– man soll’s nicht glauben- zunächst allein. Ein faszinierendes
Panorama in alle Richtungen konnten wir genießen: in nächster Nähe der
Großglockner, die Lienzer Dolomiten,
im Süden die Sextener Dolomiten, bis zum Ortler reichte der Blick,
die nahen Zillertaler Alpengipfel konnten wir bestaunen und im Norden die
verschneiten Kalkgipfel des Wilden Kaisers – einfach ein Traum! Nach
Osten zu , fast 2000 m tiefer lag das Matreier Tauerntal mit dem Talboden
des Gschlößbaches. Welch ein Anblick! Und da hinunter führte unsere
Abfahrtsroute, ca. 12 km lang.
Bereits
vorhandene Spuren erleichterten uns die Orientierung. Doch Vorsicht war
immer noch angebracht, denn bis zum Unteren Keesboden erfolgt die Abfahrt
durch das Schlatenkees größtenteils in vergletschertem Gebiet , d.h. die
Spaltengefahrt ist nicht zu unterschätzen. Nach einer Stunde Abfahrt
erreichten wir dann glücklich den Talboden des Gschlößbaches. Während
der 3 km langen, schweißtreibenden Schiebestrecke
bis Außergschlöß wandte sich unser Blick immer wieder rückwärts –
bis von dort oben sind wir gekommen!
Die
letzte Abfahrt auf dem Fahrweg zum Matreier Tauernhaus auf 1512 m brachte
uns dem Frühling wieder näher, denn Schlüsselblumen am Wegrand und
ausgeaperte Wiesenhänge zeigten uns die Macht der Sonnenstrahlen.
Hier
ließen wir es uns bei Radler, Kaffee und Kuchen gut gehen, bevor wir die
Heimreise nach drei herrlichen Skitourentagen antraten.
Bericht
Hubert Weber